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06.06.2010 Die Schweinehunde verlieren
UMMENDORF (SZ-Redakteur Tobias Kestin) &mdash Das Radrennen rund um das Schloss Ummendorf hat einen eindeutigen Verlierer: den Schweinehund. Den mussten die rund 470 Starter besiegen, um sich den Wettenberg hochzukämpfen. Linus Seif und Eric Süßemilch, Talente des RSC Biberach, haben das neun Mal geschafft.
Linus Seif
Der Wettenberg ist steil. Sehr steil, für Nichtradrennfahrer ist es oft unverständlich, wenn nicht sogar völlig verrückt, sich dort mehr als einmal hochzukämpfen. Dazu das frühe Aufstehen, um 10.30 Uhr startet das Rennen. Für die U17-Fahrer des RSC-Biberach, Linus Seif und Eric Süßemilch, und die anderen Fahrer ging es bereits einen Tag vorher los: Nudelparty. Hört sich witzig an, bedeutet aber eigentlich, sich genügend Kohlehydrate für die 76 Kilometer des Rennens draufzuschaffen. Eric schaffte zwei Teller, Linus aß einen. "aber davor gab es schon Braten und viele Kartoffeln", sagt er.

Das Frühstück vor dem Rennen ist ähnlich deftig. Brötchen, Wurst, ganz normal halt. Nach dem Essen heißt es für die Jungs umziehen und auf die Besprechung des Landeskaders warten. Die Zeit bis dahin sieht eigentlich ganz einfach aus: "Wir trinken noch einiges und fahren uns so langsam ein", erzählt Eric.

Die Taktikbesprechung von Trainer Bodo Kriegs fällt dieses Mal recht kurz aus. Kriegs lobt die Süddeutsche als einen der Höhepunkte des Jahres und redet seinen Jungs ein, möglichst unter die besten 30 zu fahren, die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft sorgt für weitere Motivation. Die Landeskader-Mitglieder sollen vorne fahren: "Wenn ihr hinten fahrt, tut ihr euch schwer, nach vorne zu kommen, wenn es abgeht", mahnt Kriegs zu Leistung.

Kapitäne bestimmt er nicht "Aber wenn Linus Seif was sagt, hört ihr da drauf", sagt Kriegs. Linus wird während des Rennens etwa ansagen, nämlich Löcher zu schließen.

Zehn Minuten vor Rennbeginn wird es ernst. Der Helm sitzt, neben der Strecke drängen sich 140 Fahrer, gleich geht es zum Start. Zweieinhalb Stunden werden sie für die 76 Kilometer Strecke brauchen, neun Mal geht es den Wettenberg hoch. "Da denkt man nicht nach", sagt Eric Süßemilch, "außer vielleicht: da müssen alle hoch."

Startschuss, nach der ersten Kurve geht es schon den Berg hoch, das Feld bleibt eng zusammen. Volker Mailach, Sprecher des RSC Biberach, wird nachher sagen: "Das war ein sehr taktisches Rennen." Für Außenstehende sieht die Taktik folgendermaßen aus: Selber quälen. Immer wieder geht es den Berg hoch. Aber die Fahrer wollen es so, es ist hier Hobby. Wer gewinnen will, muss sich quälen. Das sieht Landestrainer Kriegs genauso: Süßemilch und Seif sind absolute Siegertypen. Beim Zeitfahren müssen die Kampfrichter Süßemilch festhalten und auch Linus hat den Siegeswillen."

RSC-Fahrer sind vorne
Zielsprint der U17
Die Zuschauer sehen neun Runden, in denen das Fahrerfeld auseinander - und wieder zusammen läuft, drei Runden vor Schluss fährt der Sieger dann alleine vorweg, der Rest bleibt mehr oder weniger eng zusammen. Dann, die letzten zwei Kilometer des Rennens auf der Schweinhauser Straße. 20 Fahrer machen sich bereit zum Sprinten. Süßemilch und Seif fahren vorne links, die Fahrer verteilen sich auf die Straßenbreite. Auf Kommando wird der Sprint eröffnet., das Podest wartet. Spannung pur.

Dann stürzt Eric Süßemilch.

Volker Mailach, der das Auto hinter den Sprintern fährt, flucht erschrocken. Das gesamte Rennen, die Anstrengung, die Anspannung, alles vergebens. Süßemilch ist selbst schwer enttäuscht, dazu kommen Abschürfungen auf der linken Seite. "Na ja, wir waren eng zusammen, da bin ich eben gestürzt." Von einem Mindestabstand hält aber niemand etwas, es macht halt Spaß, mit Gegners Ellenbogen in der Seite um die Platzierung zu kämpfen. Süßemilch landet letztendlich auf dem 25. Platz. Mund abwischen, Füße hoch. Heute geht er schon wieder zur Schule.

Linus Seif ist Vierter geworden. Ohne Verletzungen, trotzdem ist er niedergeschlagen. "Mist, so knapp am Podest vorbei", sagt er, den Kopf völlig geschafft auf den Lenker gestützt. Seine Platzierung hat sich auf den letzten Metern entschieden. "Ich wollte unbedingt die Position halten. Davon hielten ihn nicht einmal die Krämpfe ab, die das Treten auf den letzten Metern schwer machten. Für Radrennfahrer kein Problem: "Du musst halt den Schweinehund besiegen." Und für den ist Ummendorf einfach kein guter Platz.

Neben der Strecke: Manchmal hilft ein Messer
Manchmal hilft ein Messer, um den Radler auf die Strecke zu bringen: Ein U19-Starter ist spontan aus Schwäbisch Hall angereist, bei der Übersetzungskontrolle das Problem: Mit einer Pedalumdrehung rollt er 14 Zentimeter als erlaubt. Das würde die Disqualifizierung bedeuten. Kurze Absprache mit der Rennleitung: Wenn die kleinste Ritzel blockiert wird, darf er doch starten. Kein Problem für die Techniker des RSC Biberach: Mit dem Taschenmesser kurz eine Schraube gedreht und der Nachwuchsfahrer trat an.

Zu Neunt waren die Rotkreuzler der Bereitschaft Ummendorf an der Strecke postiert. Der Außenposten an der Schweinhauser Straße hatte den besten Blick, dort schossen die Fahrer mit bis zu Tempo 70 auf die scharfe Rechtskurve zu. Leider hatten die Ehrenamtlichen nicht zu viel Zeit, um das Rennen zu genießen. "Es ist mehr als sonst", sagt Einsatzleiter Rudolf Gäßler. Die Hitze machte besonders den jungen Fahrern zu schaffen, dazu gab es einige Verletzungen bei Stürzen.

50 Leute des RSC Biberach haben sich um das Drumherum für die Zuschauer gekümmert. Erstmals stand auch auf dem Wettenberg ein Verpflegungsstand. Eine Wohltat für die Zuschauer, die kräftig schwitzten. Besonders die Apfelsaftschorle war beliebt: Bereits um 13 Uhr ging die letzte Flasche über den Tresen. Allerlei Kuchen, Spaghetti Bolognese, Leberkäswecken, Pommes und vieles mehr war dagegen genügend da.

Heiß wurde es auch für die Streckenposten, die an den zahlreichen Übergängen standen, um einen gefahrlosen Übergang zu gewährleisten.

Einen Szenen-Applaus hat sich SZ-Fotograf Volker Strohmaier verdient. Mit allerlei Ausrüstung bepackt war er auf der Jagd nach den besten Bildern unterwegs. Der Anstieg auf die 500 Höhenmeter des Wettenbergs gehörte dazu. Sportlich kämpfte er sich auf dem Klapprad hinauf ? unter den Anfeuerungsrufen der Zuschauer.

20 Sekunden. Mehr brauchen die Radfahrer nicht, um das Vorderrad zu wechseln. Den Anschluss ans Feld verlieren sie dann übrigens auch nicht: Der Materialwagen bleibt während des Reifenwechsels stehen, im Windschatten des Autos geht es dann wieder ans Feld ran. Wenn der Materialwagen hinten an die anderen Fahrzeuge fährt, springen die Fahrer quasi von Stoßstange zu Stoßstange, um kräftesparend im Windschatten dran zu bleiben.

Apropos Stoßstange. Die sind kräftig in Beanspruchung. Gerade im Training machen sich die Radfahrer ein Spaß daraus, möglichst nah am Autoheck zu fahren und schwarze Gummistreifen über die Stoßstangen zu ziehen.

Mit allen Sinnen ließ sich das Rennen übrigens auf der Abfahrt an der Schweinhauser Straße erleben: Wenn die Fahrer kurz vor der scharfen Kurve abbremsen, riechen die Zuschauer die Bremsen der Radfahrer.

Die Autos hinter dem Feld sind die Materialwagen mit den Trainern der einzelnen Verbände. Wie nah sie an den Radsportlern sein dürfen entscheidet das Los. Wer tags zuvor zur Auslosung nicht kommt, der fährt am Schluss, wie der Württembergische Radsportverband.

Die Kleinsten des RSCs mussten nur einmal
r. Lenny Hermann
(tg) So zum Beispiel Lenny Hermann, einer der jüngsten Teilnehmer. In der Altersklasse U11 setzte sich gleich von Anfang an ein Fahrer ab; Lenny Hermann etablierte sich in einer dreiköpfigen Verfolgertruppe und belegte Rang 3. "Ich finde den Berg gut", sagte Lenny nach dem Rennen - diese Meinung teilen nur sehr wenige seiner Mitfahrer. Moritz Bader konnte sich nicht so recht mit dem Wettenberg anfreunden und belegte Rang 9.So zum Beispiel Lenny Hermann, einer der jüngsten Teilnehmer. In der Altersklasse U11 setzte sich gleich von Anfang an ein Fahrer ab; Lenny Hermann etablierte sich in einer dreiköpfigen Verfolgertruppe und belegte Rang 3. "Ich finde den Berg gut", sagte Lenny nach dem Rennen - diese Meinung teilen nur sehr wenige seiner Mitfahrer. Moritz Bader konnte sich nicht so recht mit dem Wettenberg anfreunden und belegte Rang 9.
Bader wird Favoritenrolle gerecht
(tg) Als klarer Favorit ging Felix Bader bei den U13-Schülern an den Start. Für ihn galt es, sein Führungstrikot im Erdgas-Cup zu verteidigen und seine bisher ununterbrochene Siegesserie fortzusetzen. In der zweiten Runde attackierte Bader mutig, löste sich zusammen mit Lorenz Baumgärtner vom Feld und ersprintete sich souverän den Sieg.
Sein Teamkollege Luca Stöhr "biss" sich zunächst am Feld fest, musste bei Baders Attacke jedoch reißen lassen und fuhr als achter über den Zielstrich; Julian Barth belegte Rang 14.
Süßemilch übernimmt Führungstrikot
Laura Süßemilch im Führungstrikot des Erdgas-Schüler-Cup
(tg) Ebenfalls zwei Runden hatten die U15-Fahrerinnen auf dem anspruchsvollen Rundkurs zurückzulegen: bereits in der zweiten Runde entstand eine Spitzengruppe, darin vertreten war Laura Süßemilch. Den Sprint habe sie dann einfach "durchgezogen" - das Ergebnis war ein klarer Sieg vor Leonie Waldhoff und die Übernahme des gelben Trikots.
Isabell Seif konnte nicht an ihre bisher sehr guten Leistungen im Erdgas-Schüler-Cup anknüpfen und belegte Rang 9.

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