"Jakob ist ein Naturtalent." Dass ein Trainer in der Öffentlichkeit positiv über einen ihm anvertrauten Sportler redet, ist nichts Ungewöhnliches. Beim Namen
Jakob Steigmiller gerät
Bernhard Lingenhöle aber fast ins Schwärmen. Was ihn an dem 16-Jährigen, den er als einen "eher ruhigen Typ" beschreibt, am meisten beeindruckt, ist dessen Vielseitigkeit. "Er hat keine besondere Disziplin", sagt Trainer
Lingenhöle, "er ist in allen stark. Das ist ungewöhnlich." Ob auf der Straße, auf der Bahn oder im Gelände — Jakob, der Rennfahrer, mischt überall vorn mit.
Das war schon einmal anders, aber das ist eine ganz Weile her. "Mit neun Jahren bin ich zum Radsport gekommen", erzählt
Jakob Steigmiller. Sein älterer Bruder Fabian fuhr auch, und ihm schloss er sich an. "Anfangs machte es viel Spaß." Später ließ der Spaß nach, als Jakob bei Rennen der Altersklasse U 11 mit den Schnellsten nicht mithielt und abgehängt wurde. "Es lief nicht so gut, und ich habe dann auch mal aufgehört."
Doch
Jakob Steigmiller kam vom Radfahren nicht weg, er kehrte zurück und spürte bald, dass sein Platz nicht mehr am Hinterrad der Konkurrenz war. Sein Trainer erinnert sich: "In der Altersklasse der U 11 fuhr Jakob unauffällig mit", so
Bernhard Lingenhöle, "er hat aber seine Kräfte nie richtig gekannt — bis zu seinem ersten Sieg im Schülercup der U 13, nach einem Jahr Pause. Jakob gewann mit etlichen Metern Vorsprung, und hat da gesehen, was er kann. In dem Moment hat es im Kopf 'knack' gemacht."
Steigmiller entschied in der Klasse U 13 weitere Rennen und mit der Mannschaft die "Kids-Tour" für sich, in der U 15 folgten 2004 unter anderem der Sieg in der Einzel- und Teamwertung beim baden-württembergischen Schülercup — ein in Fachkreisen sehr anerkannter Titel. 2005 gab?s, mit dem württembergischen Bahnvierer, den ersten deutschen Meistertitel und zudem Siege auf der Straße. In diesem Jahr schließlich gewann der Ummendorfer, in den Kader des Bundes Deutscher Radfahrer aufgestiegen, neben einigen Eintagesrennen auch die international besetzte "Kleine Friedensfahrt" in Thüringen und wurde Dritter bei der "Lausitz-Tour". Beide zählen zu den wichtigsten Etappenfahrten der Jugend in Deutschland, in denen die
jungen Radsportler in verschiedenen Disziplinen auf die Probe gestellt werden: Zeitfahren, Flachetappen, Bergankünfte. Wer ganz vorne mitmischen will, muss sich in jedem Gelände behaupten. Da war sie wieder, die Vielseitigkeit des
Jakob Steigmiller.
Was RSC-Trainer
Bernhard Lingenhöle, der den Ummendorfer schon seit Jahren kennt und fördert, besonders gefällt: "Jakob mag den Erfolg, aber nicht mit Gewalt. So verbissen ist er nicht." Das wirkt sich auch aufs Training aus. Im Gegensatz zu anderen Nachwuchsfahrern, die schon in
jungen Jahren ihre Möglichkeiten weitgehend ausschöpfen, sieht
Lingenhöle bei Steigmiller noch längst nicht das Ende der Entwicklung. "Bei ihm ist noch nicht alles optimal. Andere haben schon Top-Fahrräder und voll ausgefüllte Trainingspläne, Jakob nicht." Der Athlet weiß das: "Ich trainiere vergleichsweise wenig, aber es kommt auch darauf an, wie gut das Training ist." Dazu noch auf den Fahrstil und das taktische Gespür — und hier ist Steigmiller recht weit für sein Alter.