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27.08.2006 Das vielseitige Naturtalent mischt überall vorn mit
Ummendorf (von SZ Redakteur Andreas Wagner): 2006 ist für den Radsportler Jakob Steigmiller ein besonderes Jahr. Der 16-jährige Ummendorfer fuhr in den zurückliegenden Monaten so schnell, so gut, so erfolgreich, dass er inzwischen zu den besten deutschen Nachwuchsfahrern seines Alters zählt. Und das sowohl auf der Bahn wie auch auf der Straße.
"Bahn gefällt mir gut, Straße aber auch". Jakob Steigmiller fühlt sich auf jedem Untergrund wohl.
"Jakob ist ein Naturtalent." Dass ein Trainer in der Öffentlichkeit positiv über einen ihm anvertrauten Sportler redet, ist nichts Ungewöhnliches. Beim Namen Jakob Steigmiller gerät Bernhard Lingenhöle aber fast ins Schwärmen. Was ihn an dem 16-Jährigen, den er als einen "eher ruhigen Typ" beschreibt, am meisten beeindruckt, ist dessen Vielseitigkeit. "Er hat keine besondere Disziplin", sagt Trainer Lingenhöle, "er ist in allen stark. Das ist ungewöhnlich." Ob auf der Straße, auf der Bahn oder im Gelände — Jakob, der Rennfahrer, mischt überall vorn mit.

Das war schon einmal anders, aber das ist eine ganz Weile her. "Mit neun Jahren bin ich zum Radsport gekommen", erzählt Jakob Steigmiller. Sein älterer Bruder Fabian fuhr auch, und ihm schloss er sich an. "Anfangs machte es viel Spaß." Später ließ der Spaß nach, als Jakob bei Rennen der Altersklasse U 11 mit den Schnellsten nicht mithielt und abgehängt wurde. "Es lief nicht so gut, und ich habe dann auch mal aufgehört."

Doch Jakob Steigmiller kam vom Radfahren nicht weg, er kehrte zurück und spürte bald, dass sein Platz nicht mehr am Hinterrad der Konkurrenz war. Sein Trainer erinnert sich: "In der Altersklasse der U 11 fuhr Jakob unauffällig mit", so Bernhard Lingenhöle, "er hat aber seine Kräfte nie richtig gekannt — bis zu seinem ersten Sieg im Schülercup der U 13, nach einem Jahr Pause. Jakob gewann mit etlichen Metern Vorsprung, und hat da gesehen, was er kann. In dem Moment hat es im Kopf 'knack' gemacht."

Steigmiller entschied in der Klasse U 13 weitere Rennen und mit der Mannschaft die "Kids-Tour" für sich, in der U 15 folgten 2004 unter anderem der Sieg in der Einzel- und Teamwertung beim baden-württembergischen Schülercup — ein in Fachkreisen sehr anerkannter Titel. 2005 gab?s, mit dem württembergischen Bahnvierer, den ersten deutschen Meistertitel und zudem Siege auf der Straße. In diesem Jahr schließlich gewann der Ummendorfer, in den Kader des Bundes Deutscher Radfahrer aufgestiegen, neben einigen Eintagesrennen auch die international besetzte "Kleine Friedensfahrt" in Thüringen und wurde Dritter bei der "Lausitz-Tour". Beide zählen zu den wichtigsten Etappenfahrten der Jugend in Deutschland, in denen die jungen Radsportler in verschiedenen Disziplinen auf die Probe gestellt werden: Zeitfahren, Flachetappen, Bergankünfte. Wer ganz vorne mitmischen will, muss sich in jedem Gelände behaupten. Da war sie wieder, die Vielseitigkeit des Jakob Steigmiller.

Was RSC-Trainer Bernhard Lingenhöle, der den Ummendorfer schon seit Jahren kennt und fördert, besonders gefällt: "Jakob mag den Erfolg, aber nicht mit Gewalt. So verbissen ist er nicht." Das wirkt sich auch aufs Training aus. Im Gegensatz zu anderen Nachwuchsfahrern, die schon in jungen Jahren ihre Möglichkeiten weitgehend ausschöpfen, sieht Lingenhöle bei Steigmiller noch längst nicht das Ende der Entwicklung. "Bei ihm ist noch nicht alles optimal. Andere haben schon Top-Fahrräder und voll ausgefüllte Trainingspläne, Jakob nicht." Der Athlet weiß das: "Ich trainiere vergleichsweise wenig, aber es kommt auch darauf an, wie gut das Training ist." Dazu noch auf den Fahrstil und das taktische Gespür — und hier ist Steigmiller recht weit für sein Alter.
Bahn oder Straße?
Dass Jakob Steigmiller "vergleichsweise wenig" trainiert, heißt nicht, dass er nur sporadisch im Sattel sitzt. Etwa fünfmal pro Woche trainiert er, in Phasen mit wichtigen Rennen täglich. Zwischen 50 und 100 Kilometer meist, einmal wöchentlich auch mehr. Im Winter geht's zum Ausgleichsport auch mal in die Halle oder in die Langlaufloipe. Die Anforderungen im Radsport sind schon in der Jugend hoch. Und sie werden steigen, wenn Steigmiller im kommenden Jahr bei den Junioren fährt. Dann steht für ihn eine Entscheidung an, die ihm, müsste er sie heute treffen, alles andere als leicht fiele. Bahn oder Straße — das ist dann die Frage, und der 16-jährige Gymnasiast weiß nicht, wie er sich entscheiden wird. "Bahn gefällt mir gut, Straße aber auch", so Steigmiller und ergänzt: "Vor allem die Rundfahrten."

Für Mehr-Etappen-Rennen scheint er aufgrund einer körperlichen Voraussetzungen besonders geeignet zu sein. "Ich regeneriere relativ schnell", sagt Steigmiller. "Andere werden von Tag zu Tag müder, bei mir ist es umgekehrt." Diese Fähigkeit zur raschen Erholung hebt auch Bernhard Lingenhöle hervor und verdeutlicht damit einmal mehr, was Jakob Steigmiller in seinen Augen ist: ein Naturtalent auf zwei Pedalen.

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