SZ: Was trauen Sie Steigmiller bei den Europameisterschaften zu?Lingenhöle: Jakob ist auf der Bahn sehr gut, das hat er mit dem deutschen Meistertitel mit der Mannschaft sowie im Punktefahren, der ihm nachträglich zu Unrecht aberkannt wurde, bewiesen. Bahn ist seine Spezialität.
Kurz vor der EM war noch nicht klar, in welchen Disziplinen Steigmiller antreten wird ...So ist es. Die Mannschaft traf sich zur Vorbereitung, um zu sehen, wo jeder Fahrer seine Stärken hat. Schade bei Jakob ist, dass er sich vor kurzem bei der Oberösterreich-Rundfahrt eine Erkältung zugezogen hat.
Kann er in Cottbus überhaupt starten?Sicher, außer die Krankheit verschlimmert sich.
In welchen Disziplinen wird er Ihrer Meinung nach in Cottbus an den Start gehen?Ich denke, er wird im Vierer eingesetzt und in seiner Paradedisziplin Madison.
Mannschaftsvierer ist klar. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Madison?Madison ist mit einem Sechs-Tage-Rennen vergleichbar. Zwei Fahrer bilden ein Team und wechseln sich immer wieder ab. Beide sind ständig auf der Bahn, aber während einer voll fährt, fährt der andere langsam und erholt sich, bis er von seinem Teamkollegen eingeholt wird. Das ist eine der großen Stärken von Jakob: Er ist in der Lage, sich sehr schnell zu erholen.
Hat er Chancen auf einen vorderen Platz oder gar auf eine EM-Medaille?Ich denke schon.
Ist ein Straßenrennen wie die Oberösterreich-Rundfahrt die richtige Vorbereitung auf einen Bahnwettbewerb?Gerade in der Vorbereitung nehmen Bahnfahrer an solchen Rennen teil — als Grundlagentraining. Die Bahnfahrer brauchen ebenfalls eine gute Ausdauer, auch wenn sie bei Bahnrennen nur kurze Strecken fahren.
Ein gutes Ergebnis erzielte Jakob Steigmiller als Neunter bei der Rundfahrt in Oberösterreich auch noch ...Die Bundestrainer sehen es gern, wenn einer ihrer Bahnfahrer auf der Straße vorne mitfährt, aber es ist nicht das Ziel. Die Oberösterreich-Rundfahrt diente der Vorbereitung auf die Bahn-EM. Genauso rieten die Trainer, dass Jakob bei den deutschen Straßenmeisterschaften nicht fährt. Stattdessen hat er trainiert.
Ärgert einen das nicht, wenn man eine deutsche Meisterschaft verpasst?Eine EM ist besser als eine deutsche Meisterschaft. Hinzu kommt, dass Jakob vornominiert ist für die Bahnrad-WM in diesem Jahr in Mexiko. Wenn er bei der EM gut abschneidet, ist er in Mexiko sehr wahrscheinlich dabei.
Abgesehen von den Straßenrennen trainiert Steigmiller sicher auch gezielt auf der Bahn?Natürlich. Seit die Bahn in Stuttgart geschlossen ist, fährt er regelmäßig nach Augsburg.
Was bedeutet das für den RSC Biberach und für Sie als Vereinstrainer, wenn ein Talent aus dem Verein bei so hochkarätigen Wettbewerben startet?Es ist schön, wieder einen Fahrer zu haben, der über baden-württembergische Meisterschaften hinauskommt und in dem Fall sogar zur europäischen und vielleicht sogar Weltspitze gehört. Wir freuen uns sehr, wenn er gut fährt, aber Erfolge sind nicht existenziell für unseren Verein — im Gegensatz zu anderen Klubs, wo die Sportler gegenüber den Sponsoren etwas vorweisen müssen.