SZ: National gab?s 2007 bemerkenswerte Siege, bei der EM und der WM dagegen verpassten Sie eine Medaille jeweils knapp. Enttäuscht deswegen?Steigmiller: Im ersten Moment war man sicher enttäuscht, aber im Nachhinein nicht mehr. Ich hätte nie gedacht, überhaupt so weit zu kommen und bei EM und WM dabei zu sein. Schließlich kann ich auch 2008 noch bei den
Junioren fahren.
Sie waren 2007 bei der EM und WM im Bahnradsport dabei. Lag das Augenmerk von vornherein eher auf Bahn als auf der Straße?Ich bin auch auf der Straße gefahren, kam bei Rundfahrten, Weltcuprennen unter die ersten zehn, aber nicht ganz nach vorn. So war nach der Frühjahrssichtung durch die Bundestrainer klar, dass für mich die Chancen auf der Bahn besser sind.
Von da an wurde gezielt für die Bahn-Wettbewerbe trainiert?Ja. Es gab nicht mehr so lange Einheiten, wie sie in der Vorbereitung auf Straßenrennen nötig gewesen wären. Stattdessen wurde mehr auf Schnelligkeit und Schnellkraft trainiert. Ich habe in der Vorbereitung zwar auch an Straßenrundfahrten teilgenommen, aber das Rennprogramm war ganz auf die Bahnrad-WM ausgerichtet.
Werden die Karten 2008 neu gemischt, oder setzen Sie von Anfang an auf den Bahnradsport?Normal legt man sich fest, aber bei mir sagten die Bundestrainer, dass ich schon auch auf die Straße setzen soll. Die größeren Medaillenchancen bestehen wohl auch 2008 auf der Bahn, aber auf längere Sicht werde ich eher auf der Straße fahren.
Eine Teilnahme bei den Straßen-Weltmeisterschaften der Junioren 2008 ist nicht denkbar?Doch, ich gehöre ja auch dem Straßen-Nationalkader an. Aber man muss schauen, in welcher Disziplin man es weiter bringt, ob man einfach nur mitfährt oder Medaillenchancen hat. 2007 hatte ich auf der Bahn die wesentlich besseren Chancen.
Warum zieht es Sie dann nach den Juniorenjahren auf die Straße?Weil dann fast alles nur noch auf der Straße stattfindet. Wenn man von dem Sport leben will, muss man auf der Straße fahren, es gibt mehr Teams und mehr Wettbewerbe. Auf der Bahn gibt?s außer den Sechs-Tage-Rennen nicht so viel.
Als Radsportler verfolgen Sie sicher das Geschehen im Straßenradsport der Profis. 2007 verging kaum eine Woche ohne Doping-Enthüllungen, als Folge verabschieden sich die Sponsoren. Hat man als junger Radsportler überhaupt noch Lust, weiterzumachen und wirklich Berufsfahrer zu werden?Ich betreibe Radsport, weil es mir Spaß macht, und verfolge nicht verbissen das Ziel, Profi zu werden. Die Doping-Enthüllungen im Profiradsport waren schon ein Schock und machen einen traurig. Wir als Nachwuchsfahrer bekommen das auch zu spüren, wenn Zuschauer dumme Bemerkungen machen und am Streckenrand ?gedopt, gedopt? gerufen wird.
Der Traum, Profi zu werden, besteht aber weiter?Ein Traum ist es schon. Sein Hobby zum Beruf zu machen, wäre nicht schlecht.
Was sagen Familie und Freunde zum Dopingproblem im Radsport. Heben sie nicht den Finger und warnen davor, Profi zu werden?Ein bisschen schon. Aber für uns
Junioren stellt sich die Frage nach Doping nicht. Wir werden über das Thema verstärkt aufgeklärt, man betreibt Prävention.
Glauben Sie, dass bei den Profis das Tal schon durchschritten ist?Ich denke, es wird besser werden.
Wie realistisch sehen Sie Ihre Chancen, Profi zu werden?Die Chance ist relativ klein. Nur wenige Nachwuchsfahrer schaffen den Sprung.
Ihr Biberacher Vereinstrainer Bernhard Lingenhöle sagte vor wenigen Jahren, Sie hätten Ihre Trainingsmöglichkeiten längst nicht ausgeschöpft. Galt das 2007 noch immer?Ich habe mich schon gesteigert, nach 11 000 Trainingskilometern bin ich 2007 15 000 bis 16 000 Kilometer gefahren. Aber auch damit habe ich meine Möglichkeiten nicht ausgereizt. Ich trainiere immer noch relativ wenig. Nach den Vorgaben der Verbandstrainer hätte ich 19 000 Kilometer fahren sollen. Aber man muss den Sport auch mit der Schule unter einen Hut bringen. Im Schnitt trainiere ich täglich etwa zweieinhalb Stunden.
Wie sieht?s derzeit mit Training aus?Im Winter werden die Weltmeister gemacht, sagt man. Da werden die Grundlagen für die Saison gelegt.
Das heißt?Wir sollen möglichst oft mit dem Rad fahren, bis zu einer Temperatur von minus drei Grad sind wir auch im Freien unterwegs. Ansonsten fährt man mit dem Fahrrad auf der Rolle. Oder man joggt oder macht Krafttraining in der Halle.
Stundenlang auf der Rolle zu fahren ist sicher langweilig?Das geht schon, wir schauen uns nebenher einen Film an.
Und was sind die Ziele fürs letzte Juniorenjahr 2008 ? wieder bei der EM und WM dabei zu sein?Ganz klar eine Medaille bei den Weltmeisterschaften. Eine Rundfahrt auf der Straße würde ich auch gern gewinnen. Solche Rennen liegen mir.
Wird man Sie wie 2007 auch im neuen Jahr bei einem Rennen in Biberach oder Umgebung sehen?Wenn es reinpasst, aber das ist doch eher unwahrscheinlich.