Ein Einzelzeitfahren, in Anlehnung an das französische "contre la montre" auch "Kampf gegen die Uhr" genannt, ist eine spezielle Wettkampfform im Radsport. Gestartet wird im Minutenabstand, und das Fahren im kraftschonenden Windschatten anderer Fahrer ist strengstens verboten. Gewonnen hat derjenige, der die Strecke in der kürzesten Zeit zurücklegt. Die Favoriten starten bei einem Zeitfahren gewöhnlich hinten, und so gehörte
Jakob Steigmiller als vorletzter Starter des 152 Fahrer umfassenden Feldes sicherlich zum engeren Favoritenkreis.
"Zeitfahren ist ja meine Stärke", sagt der Ummendorfer von sich selbst und hat dies auch schon in 2008 eindrucksvoll unter Beweis gestellt: So gewann er bei der
Juniorenrundfahrt in Cottbus das Zeitfahren und belegte im Rahmen der Friedensfahrt, bei der die internationale Spitze vertreten war, mit Rang drei im Zeitfahren einen Podestplatz. Zuletzt bei der "Trofeo Karlsberg", eine ebenfalls zum Weltcup zählende Rundfahrt, reichte es nicht für einen der ganz vorderen Plätze. "Ich hatte keinen optimalen Tag", meinte Steigmiller und musste sich mit Platz 10 zufrieden geben.
Wesentlich besser lief es für den deutschen
Juniorennationalfahrer am vergangenen Sonntag, als er nach 15 Uhr von der Startrampe das über 23 Kilometer führende Meisterschaftsrennen in Angriff nahm. Der westlich von Köln gelegene Rundkurs wies gleich zu Beginn etliche Richtungswechsel auf, die auf den Zeitfahrmaschinen von den Fahrern alle Steuerkünste abverlangten. Erschwerend war auch der Gegenwind, der bis zum Wendepunkt nach 11,5 Kilometern den Teilnehmern das Leben erschwerte.
An diesem Wendepunkt lag Steigmiller, wenn auch nur mit wenigen Sekunden Vorsprung, bereits in Führung. In der zweiten Rennhälfte kam ihm dann seine Ausdauer zugute: Während die Mitfavoriten langsamer wurden, konnte er das hohe Durchschnittstempo von mehr als 46 Stundenkilometern halten und hatte im Ziel einen Vorsprung von über 23 Sekunden auf den Cottbuser Johannes Kahra. Platz drei belegte sein ebenfalls für das württembergische Verbandsteam Cebion startender Teamkollege Moritz Pfeiffer aus Öschelbronn mit 40 Sekunden Abstand. Nach seinen bereits drei deutschen Meistertiteln auf der Bahn in der Mannschaftsverfolgung und dem Zweier-Mannschaftsfahren ist dies für Steigmiller der erste Einzeltitel auf nationaler Ebene.