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22.07.2008 Umfrage zur Tour de France: "Man fiebert nicht mehr mit"
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Biberach (aw/sz) — Die Hoffnung auf eine Tour de France ohne Skandale hat sich zerschlagen. Die Dopingfälle der vergangenen Tage schädigten das Ansehen des Profiradsports weiter. Was empfinden Amateurradsportler aus dem Kreis Biberach angesichts der negativen Nachrichten aus Frankreich? Interessieren sie sich noch für die Rennen der Profis? SZ-Redakteur Andreas Wagner hat sich umgehört.
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"Man fiebert bei der Tour de France nicht mehr mit", sagt Frank Reichel (Ingoldingen), Vorsitzender des Radsportbezirks Oberschwaben. Bis vor wenigen Jahren sei dies anders gewesen, da habe er auch die Übertragung im Fernsehen intensiv verfolgt. Inzwischen aber, durch das verbreitete Doping bei den Profis, "schaue ich nur noch gelegentlich mal rein, aber ich plane es nicht mehr. Das ist vorbei." Reichel ärgert sich über das Verhalten der Berufsradfahrer und geht davon aus, dass mit den bisher ertappten Fahrern "die Sache noch nicht ausgestanden ist". Für die Sportart seien die Vorfälle verheerend — "gerade für junge Fahrer, für die Profis die Idole sind. Aber diese Vorbildfunktion ist weg."
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| Fabian Mailach: Auch in anderen Sportarten sollte besser nachgeprüft werden ... |
Nachwuchsfahrer wie die Junioren Fabian Mailach oder Florian Scheit vom RSC Biberach schauen bei den Profirennen noch hin. "Ich verfolge die Tour trotzdem", sagt Mailach, der das Doping verurteilt. "Ein Fahrer zerstört damit seinen Körper und unseren Sport." Mailach würde es begrüßen, wenn auch bei anderen Sportarten "so genau hingeschaut wird" wie beim Radsport. Für Scheit sind die Dopingfälle bei der Tour ein Beweis dafür, "dass das Kontrollsystem funktioniert". Er glaubt nicht daran, dass schon alle "schwarzen Schafe" ertappt sind. "Vielleicht dopen zehn bis 20 Prozent der Fahrer, vielleicht auch mehr." Aber das harte Vorgehen der Kontrolleure werde Folgen haben. "Man sieht, dass sich was ändern muss, und es wird sich auch was ändern." Scheit schaltet trotz der Vorfälle der vergangenen Tage den Fernseher ein. "Aber nur gegen Ende der Etappe, weil es interessant ist zu sehen, wie es da taktisch läuft."
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| Florian Scheit: Glaubt an die verbesserten Kontrollen ... |
Beim Vereinstrainer von Mailach und Scheit, Bernhard Lingenhöle, bleibt das TV-Gerät während der Tour de France ausgeschaltet. "Ich schaue schon seit Jahren keine Profirennen mehr an. Ich will diesen Zirkus, der dem Radsport nur schadet, nicht unterstützen." Dass bei der Tour wieder einmal gedopte Fahrer aufgeflogen sind, überrascht ihn nicht. "Im Profiradsport sind die Strukturen dieselben wie vor Jahren, und mir soll keiner erzählen, dass die erwischten Fahrer Einzelfälle sind." Lingenhöle bedauert, dass auch Amateurvereine wie der RSC unter den Ereignissen bei den Profis leiden, indem jungen Fahrern schon mal Worte wie "Doper" nachgerufen wurden. "Die Leute machen keinen Unterschied zwischen der Nachwuchsarbeit und dem Profisport, den ich Zirkus nenne und in dem es ums große Geld geht."
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| Radsport wird verunglimpft |
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| Bernhard Lingenhöle: Schaut sich Profirennen im Fernsehen nicht mehr an ... |
Thomas Stadler, einer der Guides des Schussenrieder Radtreffs und als Jugendlicher beim RMSV Bad Schussenried aktiv, hatte sich auch schon von den Fernsehübertragungen abgewendet, doch "in diesem Jahr einen frischen Anlauf gestartet". Er habe gedacht, dass man das Dopingproblem im Griff habe, "aber es gibt immer wieder Leute, die es nicht kapieren". Die Folge: Mit den Dopingfällen "sinkt mein Interesse wieder". Was Stadler besonders stört: Durch das Verhalten der Profis "wird der Radsport verunglimpft".
Nichts mehr wissen von der Tour de France will Reinhold Lutz, Leiter des Bad Schussenrieder Radtreffs und auch schon bei Jedermann-Rennen am Start. "Mein Interesse ist nach dem Dopingskandal 2006, in den auch Jan Ullrich verwickelt war, verflogen. Seither verfolge ich die Tour nicht mehr." Vielmehr fühle er sich durch die jüngsten Vorfälle bestätigt. "Ich glaube nicht, dass man einen Klassiker oder ein Etappenrennen ungedopt gewinnen kann", so Lutz, für den der Profiradsport der Verlierer ist. "Der wird an die Wand gefahren." Der Schussenrieder schaut daher bei den Übertragungen nicht mehr hin. "Wenn man selbst fährt und sich im Breitensport einbringt, ist die Zeit besser investiert als vor dem Fernseher."
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