"Eigentlich wollten wir gar nicht starten", berichtet
Jakob Steigmiller und spricht von dem Gefühl, das den deutschen
Junioren-Vierer vor der EM plagte: Das ganze Jahr über hatten sie sich vorbereitet und bei den Weltmeisterschaften in Kapstadt vor kurzem das Finale um eine Medaille knapp verpasst — der am Ende erreichte fünfte Platz entsprach nicht ihren Erwartungen. Dann aber beschlossen sie, doch bei der EM zu starten und rollten sich tags zuvor kurz auf der Bahn ein. Ohne die große Erwartungshaltung ging der deutsche Vierer in den Wettbewerb.
Vielleicht war es gerade diese Lockerheit, gepaart mit dem professionellen Training unter Anleitung von Bundestrainer Helmut Taudte, das zum Erfolg führte: Die Uhr blieb in der Qualifikation nach 4:15,891 Minuten stehen, und diese Zeit reichte am Ende für den dritten Platz und den Kampf um Bronze gegen Spanien. Im Finale steigerten Thomas Juhas, Johannes Kahra, Theo Reinhardt und
Jakob Steigmiller sich auf 4:14:024 Minuten (Durchschnittstempo: 56,598 km/h) und gewannen die Bronzemedaille mit über einer Sekunde Vorsprung auf die Spanier — die Arbeit des Jahres hatte sich mit dem Gewinn einer internationalen Medaille gelohnt. Gold gewann Frankreich vor Großbritannien mit einer
Junioren-Fabelzeit von 4:09,231 (57,777 km/h).
Neben dem Scratch-Rennen, bei dem Steigmiller den zwölften Platz belegte, stand für den Ummendorfer noch das Zweier-Mannschaftsfahren zusammen mit Thomas Juhas auf dem Programm. Bestens bekannt ist dieser Wettbewerb, auch Madison genannt, von den Sechstagerennen: Zwei Fahrer bilden ein Team, wobei immer ein Fahrer sich im Rennen befindet, während sein Partner in langsamerem Tempo die Bahn umkreist. Die Ablösung erfolgt ungefähr alle 30 bis 45 Sekunden durch den "Schleudergriff", bei dem der schneller fahrende Fahrer von hinten auffährt, sein Tempo auf den Partner überträgt und ihn so ins Rennen schickt. Und das Rennen war schnell: Am Ende brauchten die Sieger aus Großbritannien für die 30 Kilometer 30:34 Minuten, was dem enormen Stundenmittel von 53,6 km/h entspricht.
Im Verlauf zeigte sich immer mehr die Überlegenheit der Briten und Dänen gegenüber der Konkurrenz: Während alle mit dem enorm hohen Tempo zu kämpfen hatten und das Feld immer mehr in kleine Gruppen zerfiel, legten die beiden Mannschaften einen Zahn zu und überrundeten die komplette Konkurrenz. Die Deutschen lagen beim Abschluss des Rennens noch auf Platz vier — aber die auf Platz drei liegende russische Mannschaft hatte nach einem Sturz das Rennen nicht an der zuvor eingenommenen Position wieder aufgenommen und wurde vom Kampfgericht für diesen Regelverstoß distanziert. Noch völlig überrascht und überglücklich bestiegen Juhas und Steigmiller das Siegerpodest und freuten sich über die gewonnene Medaille.