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29.12.2008 Eine Minderheit sorgt für Missmut
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Biberach: Die negativen Schlagzeilen über Doping im Radsport auch im Jahr 2008 haben nicht nur den Profis geschadet. Auch Vereine und ihre Nachwuchsarbeit leiden darunter, dass Berufsfahrer den Sport ins schlechte Licht rücken. Beim RSC Biberach herrscht aber Zuversicht, dass Jugendliche und Sponsoren bei der Stange bleiben. Ganz unberührt ist der RSC von der Krise des Radsports aber nicht.
Von Schwäbische-Zeitung Redakteur Andreas Wagner
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| Freude am Sport ist der Motor der Leistungsverbesserung: Lizenzierte Nachwuchsfahrer der Schülerklasse.
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Als Gruppe sind die Radsportler des RSC Biberach leicht auszumachen. In ihren Trikots in den blau-gelben Vereinsfarben rollen die Nachwuchsfahrer mehrmals pro Woche zügig über die Straßen rund um Biberach. Manch einer mag sich beim Anblick der vorbeirauschenden Jugend einen Kommentar nicht verkneifen, und das hat damit zu tun, dass erwachsene Radprofis seit Jahren dopen und betrügen und damit einer teils unzureichend informierten Öffentlichkeit vorgaukeln, ohne leistungsfördernde Substanzen würde sich im Sport kein Rad mehr drehen. "Es kommt vor, dass uns Leute 'Epo, Epo' nachrufen", sagt RSC-Trainer Bernhard Lingenhöle, "aber das zeigt, dass diese Leute keine Ahnung haben." Dass sie nicht wissen, dass Erythropoetin, das Arzneimittel, missbraucht von Profis, um ihre Ausdauerfähigkeiten zu verbessern, dass dieses Epo so wenig in die Welt 13-jähriger Radsportler passt wie ein Schneemann in die Tropen. "Wir reden zwar schon mal über Doping, aber es interessiert die Kleinen nicht. Sie verstehen es auch nicht", so Lingenhöle. Die Älteren, wie der 18-jährige Jakob Steigmiller, verstehen die Rufe vom Straßenrand. Steigmiller gehört der Nationalmannschaft an, er kommt viel herum auf dem Rad. "Bei einer Rundfahrt hat mal einer 'Doper, Doper' gerufen", sagt er. "Sofort flogen aus dem Feld drei, vier Flaschen zurück. Das war schon witzig." Gelassen erzählt er solche Geschichten. Doch Steigmiller weiß auch, dass das schlechte Ansehen des Radsports gerade auch für jüngere Fahrern Nachteile hat (siehe eigenen Bericht).
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| Wenige Profi-Lizenzen |
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| 45 von 20195 Lizenzen im BDR sind Lizenzen der Profiklassen PT (GS1) und KPT (GS2). |
Die Verantwortlichen in den Radsportvereinen des Landes halten mit ihrem Ärger nicht hinterm Berg. Dass eine Schar von Berufsfahrern eine Sportart in Misskredit bringt und damit auch ihre Leidenschaft und ihr Engagement in der Nachwuchsarbeit beschädigt, das ist zu viel für die Ehrenamtlichen, um es einfach zu schlucken. "Worüber diskutieren wir?", fragt Volker Mailach, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des RSC Biberach, und schickt die Antwort gleich hinterher: "In Deutschland sind knapp 21 000 Lizenzen für Radsportler vergeben, aber nur 0,2 Prozent davon sind Profilizenzen. Und diese Leute reißen alles runter, so dass im Sportausschuss des Bundestages sogar über die Streichung der Fördergelder geredet wird."
Dazu dürfte es dann doch nicht kommen, aber ob in Zukunft weiter so viele Kinder und Jugendliche den Weg zu einem Radsportverein finden, ob diese Klubs nicht ihre ohnehin wenigen Sponsoren verlieren oder ob die Zahl der Nachwuchsrennen nicht abnimmt, das ist derzeit nicht abzusehen. "Die Situation ist sehr schwierig, so was war noch nie da", sagt der Vorsitzende des Radsportbezirks Oberschwaben, Frank Reichel aus Ingoldingen. Er fürchtet, dass es schwieriger werde, neue Leute in die Vereine zu locken, auch wenn im Raum zwischen Ulm und Bodensee aktuell kein Mitgliederschwund auszumachen sei.
Beim RSC Biberach geht man ebenfalls davon aus, dass die fetten Jahre für die Vereine vorüber sind ? wobei Volker Mailach das nicht an den negativen Schlagzeilen im Profiradsport festmacht. "Die Welle, die sich durch die Erfolge von Jan Ullrich aufgebaut hat, flacht sich ab. Unter diesem Aspekt werden weniger Kinder in die Vereine gehen. Außerdem ist die Auswahl für die Jugend groß, und der Radsport bleibt eine Sportart, bei der man sich quälen und einen höheren Aufwand betreiben muss."
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| Hoffnung auf Treue der Sponsoren |
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Die Biberacher, die momentan aus einem Reservoir von mehr als 20 Nachwuchsfahrern (ab acht Jahren) mit Lizenz sowie einem knappen weiteren Dutzend Radfahrern ohne Lizenz schöpfen, gehen nicht davon aus, dass ihre Vereinsarbeit durch das derzeit schlechte Ansehen des Radsports in Gefahr gerät. Auch setzt der RSC auf die Treue seiner Geldgeber. "Die lokalen Sponsoren bleiben bei der Stange", ist Volker Mailach überzeugt — was eine andere Situation wäre als im Berufsradsport, der in den vergangenen Monaten viele Finanziers verloren hat. "Unsere Sponsoren wissen zwischen Profis und Nachwuchs genau zu unterscheiden", so Mailach. "Und sie geben das Geld auch nicht für Erfolge, sondern unabhängig davon."
Andernorts ist man weniger zuversichtlich. So berichteten Vereinsverantwortliche aus Bayern über die Probleme, für Rennen neue Etappenorte und Sponsoren zu finden. Doch schwerwiegender für sie ist, dass bei einigen Radsportklubs Kinder und Jugendliche fernbleiben. Seit die Doping-Thematik "durch die Medien schwappt, ist uns der Nachwuchs weggebrochen. Unsere jüngsten Fahrer sind mittlerweile 17 Jahre alt", klagte ein Rennsport-Abteilungsleiter aus Schweinfurt gegenüber einem Fachmagazin. Und er entwirft ein düsteres Szenario: "Bald sind wir nur noch ein Stammtisch-Verein, der ein bisschen Radsport betreibt und abends zum Schöppeln geht."
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