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29.12.2008 Umfrage: Jugend ohne Idol
Biberach(Andreas Wagner/SZ): Dass Sportstars der Jugend zum Vorbild dienen, ist nicht ungewöhnlich. Nachwuchsathleten träumen oft davon, so berühmt und erfolgreich zu werden wie die Profis. Im Radsport scheint das in Zeiten unaufhörlicher Dopingenthüllungen anders zu sein, wie die SZ bei einer Umfrage unter Nachwuchsfahrern des RSC Biberach erfuhr.
Freude am Radfahren: Die Nachwuchsmannschaft des RSC Biberach.
Nein, er habe keine Vorbilder im Profiradsport, sagt der 13-jährige Clemens Ott. "Die hatte ich auch noch nie so richtig." Und was die Rennen der Berufsradfahrer angeht, da schaue er nicht hin. "Das interessiert mich nicht wirklich."

Nur "am Rande" interessiert sich die 15-jährige Tanja Grimmeissen für die Rennen der Profis. Ein Idol habe sie nicht, auch nicht bei den Frauen, obwohl bei ihnen Doping womöglich keine so große Rolle spiele. "Bei den Frauen steht weniger auf dem Spiel, da steckt nicht so viel Geld drin."

"Ein Idol habe ich schon bei den Profis", sagt der 14-jährige Linus Seif. "Den Jens Vogt." Weil der ihm als Radsportler gefalle und weil er sich immer gegen das Doping eingesetzt habe. "Wenn man ihn erwischen würde, dann würde ich wahrscheinlich mein Fahrrad in die Ecke stellen. Zumindest für eine Weile."

Früher sei Jan Ullrich "ein bisschen" sein Vorbild gewesen, erzählt Eric Süßemilch (13 Jahre). "Aber inzwischen muss man bei den Profis alles anzweifeln." So habe er sich vom Berufsradsport abgewendet und schaue eher zu den Jugend- und Juniorenfahrern hoch, die wie er im Landeskader sind. Oder im Bundeskader wie sein RSC-Vereinskollege Jakob Steigmiller. "Der Jakob ist schon ein Vorbild."

Ein paar interessante Profis würden mir einfallen?, sagt der 13-jährige Manuel Quentin. Aber Idole seien sie für ihn nicht. Die Rennen im Fernsehen verfolge er, weil sie "der Papa anschaut, und da schaue ich mit".

Manchmal sehe er sich die Rennen der Profis an, verrät Tobias Scheit (14 Jahre). Aber dass er jemand die Daumen drücke, sei nicht der Fall. "Nein, ich fiebere mit keinem Fahrer mit, denn man kann den Profis nicht trauen."

Auch sein Bruder Florian Scheit (17 Jahre) bringt dem Profibetrieb kein Vertrauen entgegen. "Da ist alles versaut." Deshalb habe er kein Vorbild bei den Berufsfahrern. "Ich will auch selbst nicht Profi werden, mein Lebensunterhalt nicht mit Radfahren verdienen, für mich ist es nur ein schönes Hobby."

"Von der Fahrweise her hat man schon Vorbilder bei den Profis", sagt der 18-jährige Jakob Steigmiller. "So war ich mal ein Fan von Jens Vogt." Doch inzwischen betrachte er das Geschehen im Profiradsport "sehr viel distanzierter". Ohnehin, so Steigmiller, "habe ich noch nie zu denen gehört, die sich jedes Rennen im Fernsehen anschauen".

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