Bis vor wenigen Monaten schien der weitere Weg von
Jakob Steigmiller abgesteckt: Der Ummendorfer, der in wenigen Tagen seinen 19. Geburtstag feiert, sollte ins Nachwuchs-Team ISTA aufrücken. Dort tummelten sich talentierte
junge Fahrer aus Baden-Württemberg, die Perspektiven haben für die Bahnwettbewerbe bei den Olympischen Spielen in London 2012 oder für eine Profikarriere auf der Straße. Doch ISTA existiert nicht mehr, das Team der Talente wurde vor wenigen Wochen aufgelöst.
ISTA galt als selbstständiges Team, zum Teil vom Profi-Rennstall Gerolsteiner organisiert und mit Material versorgt. Diese Verstrickung wurde dem Nachwuchsteam zum Verhängnis, als in kurzer Folge die Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl bei Dopingtests aufflogen. "Nach den Dopingfällen von Schumacher und Kohl hatte sich das Thema ISTA erledigt", sagt
Jakob Steigmiller. Dass Gerolsteiner sein Engagement im Radsport 2008 beenden würde, stand schon vorher fest, doch das Auffliegen der Spitzenfahrer Schumacher und Kohl machte die Hoffnung zunichte, andere Sponsoren würden den Rennstall weiterführen. Dadurch fehlten auch Geldgeber für ISTA. Die Folgen des Dopingvergehens der Profis hatte somit auch
Jakob Steigmiller zu tragen. "Das ärgert einen ziemlich, weil man selbst gar nichts dafür kann."
Der
junge Ummendorfer hing von einem Tag auf den anderen in der Luft. Guter Rat war zunächst teuer, da auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR), in dessen Trikots die
Jungen 2012 in London auf Medaillenjagd gehen soll, derzeit kein vergleichbares Team unterhält. Versuche des BDR, eine solche Mannschaft für 2009 zu installieren, scheiterten. "Das war etwas weit hergeholt, weil man mit der Planung noch nicht so weit war", sagt Steigmiller. "Nächstes Jahr will man einen neuen Versuch starten."
Bis dahin musste der 18-Jährige in einem anderen Stall unterkommen. Steigmiller wurde schließlich in der Schweiz fündig, bei einem neuen Team aus der Nähe von Winterthur, das voraussichtlich den Namen Cycling Sports tragen wird. "Es gab dazu auch Alternativen, aber die waren relativ weit weg" — im Norden, im Osten Deutschlands, weiter in jedem Fall als die Schweiz. Dorthin wechselt Steigmiller mit zwei Bahn-Kollegen, Ralf Matzka (Deißlingen) und Fabian Schaar (Tailfingen), und mit Trainer Hartmut Täumler, der Teamchef bei ISTA war. Matzka und Schaar standen 2008 ebenfalls bei ISTA unter Vertrag. "Wir wollten auf jeden Fall zusammenbleiben, damit wir gemeinsam trainieren können. Deshalb war die Entscheidung für das Schweizer Team klar", so Steigmiller.