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29.12.2008 Jakob Steigmiller: Es ist jetzt alles etwas komplizierter
Ummendorf(Andreas Wagnger/SZ): Jakob Steigmiller vom RSC Biberach zählt zu den größten deutschen Talenten im Radsport. Der 18-jährige Ummendorfer wurde 2008 Vize-Weltmeister im Zeitfahren auf der Straße und gewann Medaillen bei der Bahn-EM der Junioren. Nun rückt Steigmiller zur U23 auf, doch der Übergang verlief aufgrund der Turbulenzen im Profiradsport nicht so reibungsfrei wie geplant.
Jakob Steigmiller: Die Teamfindung war komplizierter als gedacht.
Bis vor wenigen Monaten schien der weitere Weg von Jakob Steigmiller abgesteckt: Der Ummendorfer, der in wenigen Tagen seinen 19. Geburtstag feiert, sollte ins Nachwuchs-Team ISTA aufrücken. Dort tummelten sich talentierte junge Fahrer aus Baden-Württemberg, die Perspektiven haben für die Bahnwettbewerbe bei den Olympischen Spielen in London 2012 oder für eine Profikarriere auf der Straße. Doch ISTA existiert nicht mehr, das Team der Talente wurde vor wenigen Wochen aufgelöst.

ISTA galt als selbstständiges Team, zum Teil vom Profi-Rennstall Gerolsteiner organisiert und mit Material versorgt. Diese Verstrickung wurde dem Nachwuchsteam zum Verhängnis, als in kurzer Folge die Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl bei Dopingtests aufflogen. "Nach den Dopingfällen von Schumacher und Kohl hatte sich das Thema ISTA erledigt", sagt Jakob Steigmiller. Dass Gerolsteiner sein Engagement im Radsport 2008 beenden würde, stand schon vorher fest, doch das Auffliegen der Spitzenfahrer Schumacher und Kohl machte die Hoffnung zunichte, andere Sponsoren würden den Rennstall weiterführen. Dadurch fehlten auch Geldgeber für ISTA. Die Folgen des Dopingvergehens der Profis hatte somit auch Jakob Steigmiller zu tragen. "Das ärgert einen ziemlich, weil man selbst gar nichts dafür kann."

Der junge Ummendorfer hing von einem Tag auf den anderen in der Luft. Guter Rat war zunächst teuer, da auch der Bund Deutscher Radfahrer (BDR), in dessen Trikots die Jungen 2012 in London auf Medaillenjagd gehen soll, derzeit kein vergleichbares Team unterhält. Versuche des BDR, eine solche Mannschaft für 2009 zu installieren, scheiterten. "Das war etwas weit hergeholt, weil man mit der Planung noch nicht so weit war", sagt Steigmiller. "Nächstes Jahr will man einen neuen Versuch starten."

Bis dahin musste der 18-Jährige in einem anderen Stall unterkommen. Steigmiller wurde schließlich in der Schweiz fündig, bei einem neuen Team aus der Nähe von Winterthur, das voraussichtlich den Namen Cycling Sports tragen wird. "Es gab dazu auch Alternativen, aber die waren relativ weit weg" — im Norden, im Osten Deutschlands, weiter in jedem Fall als die Schweiz. Dorthin wechselt Steigmiller mit zwei Bahn-Kollegen, Ralf Matzka (Deißlingen) und Fabian Schaar (Tailfingen), und mit Trainer Hartmut Täumler, der Teamchef bei ISTA war. Matzka und Schaar standen 2008 ebenfalls bei ISTA unter Vertrag. "Wir wollten auf jeden Fall zusammenbleiben, damit wir gemeinsam trainieren können. Deshalb war die Entscheidung für das Schweizer Team klar", so Steigmiller.
Eigeninitiative gefordert
Ohne Haken ist die Sache aber nicht. Die Unterstützung der Schweizer mit Geld und Material hält sich in engen Grenzen — auch weil das Team Cycling Sports nur auf Straßenrennen setzt. Ihre Bahn-Ambitionen müssen die jungen Fahrer aus Baden-Württemberg selbst aufrechterhalten. Dafür erhielten sie freie Hand vom Team, sagt Jakob Steigmiller. Nur finanzieren müssen das die Sportler selbst, was sie dazu zwingt, selbst auf Sponsorensuche zu gehen. "Es geht uns nicht schlecht, aber es ist halt jetzt alles etwas komplizierter", so der Ummendorfer.

Komplizierter als in einem Team ISTA, das in den Augen von Volker Mailach vom RSC Biberach eine ideale sportliche Heimat für einen Nachwuchsfahrer wie Jakob Steigmiller gewesen wäre. "Richtig Geld verdient hätte man auch bei ISTA nicht, aber der gesamte Aufwand wäre bezahlt gewesen und die Jungs hätten sorgenfrei ihrem Sport nachgehen können."

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