SZ: Ist Ihnen die Lust am Radsport noch nicht vergangen?Lingenhöle: Nein, die ist mir noch nicht vergangen. Denn wenn ich höre, der Radsport sei krank oder kaputt, dann sage ich immer: Das ist der Profiradsport, über den da geredet wird.
Worunter aber der gesamte Radsport leidet. Sprechen die Nachwuchstrainer da nicht darüber?Klar spricht man darüber. Und man ist ziemlich verärgert, dass es kein Ende nimmt mit dem Doping. Es schwelt weiter vor sich hin. Seit vielen Jahren geht das schon so, und man sieht, dass die Profis nicht damit aufhören, sondern nur immer nach neuen Möglichkeiten suchen, um weiter zu dopen.
Taugt der Profisport aus Sicht eines Nachwuchstrainers noch als Ideal?Nein. Der bezahlte Sport ist für mich gestorben. Das ist ein Zirkus. Es geht nur darum, der Beste und Tollste zu sein, und das mit allen Mitteln. Bedauerlich ist aber, dass viele Menschen das noch sehen wollen, die Rekorde, das Spektakel. Wenn die besten Nachwuchsfahrer aus Süddeutschland in Biberach Rennen fahren, kommt niemand zum Zuschauen. Aber zu jemand, der Millionen verdient, dessen Name in den Schlagzeilen ist, zu dem strömen die Leute hin. Ich sehe da nichts Spannendes.
Was sicher damit zusammenhängt, dass viele Spitzenleistungen durch Leistungsmanipulation zustande kamen. Hatten Sie schon immer eine so strikte Haltung gegenüber dem Berufsradsport und dem Doping?Ich war früher fast mal soweit zu sagen, dass man Doping freigeben sollte. Aber in dem Augenblick, in dem man eigene Leute an der Schwelle hat, denkt man ganz anders. Denn mit Doping schädigen sich die Sportler. Hochleistungssport an sich ist schon nicht gesund — und das gilt erst recht, wenn man zusätzlich was nimmt. Die Spätfolgen von Doping lassen sich doch gar nicht abschätzen. Man weiß aber, dass einige Athleten früh ihr Leben gelassen haben. In eine solche Szene will ich keinen meiner Jungs entlassen.
Wäre nicht Jakob Steigmiller von seinem Talent her ein Kandidat für den Berufsradsport?Jakob ist an der Schwelle. Er hat sein Potenzial noch gar nicht ausgereizt, was sich bei sportmedizinischen Untersuchungen gezeigt hat. Doping lehnt er strikt ab, eher würde er aufhören mit dem Radsport. Das beteuert er immer wieder. Und ich glaube ihm. Ich kann mir auch wirklich nicht vorstellen, dass Sport Spaß macht, wenn man dopen muss.